Also plante ich diese drei Pässe. Als Tagestour waren (und sind immer noch) sie auch in Reichweite von "Sid" (der Name unseres Microlinos). Aber es hiess früh aufstehen. Denn nicht die Fahrzeit würde am meisten Zeit verbrauchen, sondern die Ladehalte. Solche hatte ich an folgenden Stellen geplant: Erstfeld (auf 100% laden), Golf-Clubhaus in Andermatt (auf ca. 80%), in Innertkirchen (auf ca. 90%) und eventuell wieder Erstfeld oder im Talkessel Schwyz (mindestens 60% in Erstfeld).
Da für mich nicht die Zeit/Schnelligkeit wichtig ist, sondern "der Weg ist das Ziel", tuckerte (sagt man das auch bei einem E-Auto? Es macht ja nicht "tucktuck"?
Nach rund einer Stunde kam dann endlich die richtige Steigphase. Diesmal fuhr ich ein bisschen zügiger die Kantonsstrasse hoch. Nicht wegen des Mehrverkehrs (es hatte deutlich mehr Touristen und Einheimische auf der Strecke), sondern zum Schauen, ob zügigeres Fahren = mehr Zugluft am Motor eine zu hohe Motortemperatur verhindert. Die Meldung erschien nicht wie letztes Mal. Ob das nun tatsächlich daran lag, weiss ich nicht.
In Andermatt hatte ich dann zuerst ein bisschen Mühe, das Clubhaus des Golfvereins zu finden. Wegen der regen Bautätigkeit fuhr ich des Öfteren "offroad". Doch schlussendlich fand ich die Ladestelle. Hier wurde "Sid" von mehreren Golfern belächelt. Oder ausgelacht? Aber ich konnte in Ruhe laden und mir den ersten Kaffee reinziehen. Wenn das so weitergeht mit Kaffeertrinken, wird meine Blase überstrapaziert und meine Pumpe (Herz) pochend
Nach rund einer Stunde war es dann soweit. Wir hatten genug im Akku (83%). Das sollte sowohl für den Furkapass, als auch für den Grimselpass genügen. Also weiter Richtung Realp (flach) und dann voll in die Steigung auf den Furkapass. Das sind ja immerhin 890 Höhenmeter auf 12.3km. Also drauf aufs Strompedal - nicht zu stark, aber doch zügig. Erstaunlicherweise musste ich diesmal nicht wegen "Sid" kurz anhalten, sondern wegen mir (Kaffee lässt grüssen
Der Grimselpass ist eigentlich ein sehr "fauler" Pass. Nicht ganz 700 Hm auf 10km Strecke runter, und dann wieder 400Hm mit 6km Strecke hoch. Schon hat man den nächsten Pass in seinem Palmarés.
Bei der Talfahrt vom Furkapass überholte mich ein ambitionierter Velofahrer. Ich wollte ja möglichst viel rekuperieren - er wollte Strecke machen. Da ich ihm mit Blinkzeichen mein gemütliches Fahren angezeigt hatte, bedankte er sich mit Handzeichen und einem Lächeln. Dies sollte nicht die letzte Begegnung gewesen sein. Denn schon beim Aufstieg auf den Grimselpass konnte ich ihn wieder überholen. Wieder ein Lächeln und Handzeichen: auch meinerseits mit Winken aus dem Dachfenster
Beim Grimselhospiz picknickte ich dann während der Ladezeit. Ich hätte gerne im Restaurant gegessen. Leider war aber alles schon geschlossen. Ist ja auch nicht normal, dass man zu dieser Jahreszeit noch diesen Pass bezwingen kann. Die Wartezeite wurde verkürzt durch "Touristen-/Autofreaksgespräche" und Beobachten der Umgebung mit dem Feldstecher.
Mit etwas über 70% im Akku ging es dann weiter talwärts. Nun waren auch wieder die Boliden mit ihren röhrenden Auspuffen unterwegs. Es erinnerte mich an das Röhren der Hirsche während der Brunftzeit. Ist das auch zutreffend für die Bolidenfahrer?
Auf dem Tacho sah ich, dass ich bald die 1'000er-Gernze erreiche. Welches Foto mit "total km" ist besser? 00999 oder 01000? Mir gefällt 00999 besser. Denn es ist die Anzahl der limitierten Edition der Pioneer-Serie. Aber ich machte dann doch von beiden ein Foto.
Mit 95% Ladung nahm ich dann den letzten Pass dieses Tages in Angriff: den Sustenpass. Dieser Pass war/ist leider auch ein sehr beliebter Pass bei den Motorradfahrern. Er ist schön, aber auch berüchtigt für die vielen Motorradunfälle. Ein solcher bescherte mir dann auch später über eine Stunde Wartezeit und Stress, um überhaupt über den Pass zu kommen (gesperrt ab 18:00 Uhr).
Aber der Reihe nach. Während der Fahrt Richtung Sustenpass hielt ich die Anzeige immer im Blick. Die magische Zahl kam immer näher. Kurz unterhalb der Abzweigung Richtung Gental war es dann soweit. Ich Paparazzi fotografierte die Anzeige mit 00999km, 500m weiter mit 01000km. Da fiel mir zum ersten Male auf, dass Microlino nur bis 99'999km rechnet
So gegen 17:40 Uhr konnte ich dann wieder los. Jetzt hiess es: möglichst schnell den Pass hochfahren, schnellere Fahrzeuge vorlassen und schauen, dass der Motor nicht zu heiss wird. Alles gelang. Um 18:01 Uhr schoss ich dann das Passfoto auf dem Sustenpass.
Schnell noch durch den Tunnel. Der wurde, so meine ich, während der Nacht geschlossen. Ich hatte wirklich Glück. Kurz unterhalb der Passhöhe, auf Urnerseite, kam mir der Urner-Strassendienst entgegen. Nun war wieder gemütliches und erholsames Fahren angesagt. Mit dem Ziel, möglichst viel zu rekuperieren. Da ja nun der Pass geschlossen war, nahm der nervöse Verkehr abrupt ab. Wenigstens bis Wassen. In Amsteg war dann die nächste Kontrolle des Akkustandes. Wo lade ich? Oder lade ich erst wieder zuhause? Stand: 57%. Wenn nichts passiert, sollte es ganz knapp genug sein. Ich hatte Glück. Die nervösen Fahrer waren wahrscheinlich alle am Essen oder schon am Ziel angekommen. Ich konnte stromsparend fahren. In Illgau beschloss ich mich kurzfristig, im Restaurant Sigristenhaus bei meiner Frau eine Kleinigkeit zu essen. Mit 19% schloss ich an der Ladestelle Lindenmatt, Illgau, an. Ich hätte nur noch ca 2km und 100Hm zu bezwingen gehabt. Aber so konnte ich mir das Kochen sparen.
Wieder war eine wunderschöne Tour hinter mir. Wahrscheinlich war es nun die letzte Tour über einen der grossen Schweizerpässe im Jahre 2022.
